Kapitalanlagen-Krise

Lombardium – Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft

Lombardium Hamburg und Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft

 

Update 23. September 2019

5.000 Anleger werden auf Rückzahlung in Höhe von insgesamt 60 Mio. Euro in Anspruch genommen

Seit heute dürfte vielen aktuellen, aber auch ehemaligen Anlegern der Lombardium-Gruppe der Gang zum Briefkasten schwerfallen. Anleger der „Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft mbH und Co. KG“ werden vom Insolvenzverwalter Frank-Rüdiger Scheffler nunmehr in Anspruch genommen. Er fordert insgesamt 60 Mio. Euro von den Anlegern im Rahmen der Insolvenzanfechtung zurück. An der EOB hatten sich die Anleger als stille Gesellschafter beteiligt und investierten rund 120 Mio. € in das Geschäftsmodell. Dieses wird nunmehr von der Staatsanwaltschaft durchleuchtet. Sie hat derzeit 16 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf gewerbs- und bandenmäßigen Betruges eingeleitet.

Nach eigenen Angaben hat der Insolvenzverwalter begonnenen, Zahlungen, welche die Lombardium-Gruppe an ihre stillen Gesellschafter zurückgezahlt hat, wiederum von diesen zurückzufordern. Betroffen sind nicht nur „laufende“ Verträge, sondern auch bereits beendete Verträge.

Betrieb eines Schneeballsystems?

Der Insolvenzverwalter geht vom Betreiben eines sogenannten Schneeballsystems aus. Zahlreiche Pfandgeschäfte wurden erfunden oder fingiert, so der Insolvenzverwalter. Sollte dies zutreffen, wären die Zahlungen als sogenannte Scheingewinne zu qualifizieren und aus insolvenzrechtlicher Sicht anfechtbar.

Hinzu komme, dass die insolvente Gesellschaft seit 2013 keine Gewinne erwirtschaftet habe, sondern erhebliche Verluste. Dieses Argument sowie das Betreiben eines Schneeballsystems führt der Insolvenzverwalter im Rahmen der Inanspruchnahme gegenüber den Anlegern an.

Entreicherung könnte Anlegern helfen

Anleger, die sich solcher Inanspruchnahme ausgesetzt sehen, sind jedoch nicht rechtlos gestellt. Ob eine Inanspruchnahme tatsächlich berechtigt ist oder nicht, gegebenenfalls sogar eine Entreicherung im konkreten Fall angenommen werden kann, ist im Einzelfall zu prüfen.

Solche Entreicherungstatbestände wird der Insolvenzverwalter von sich aus allerdings nicht berücksichtigen, weshalb diese ihm gegenüber angezeigt werden müssen. Dies sollte jedoch durch eine auf das Kapitalanlagerecht sowie Insolvenzrecht spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei erfolgen. Wird gegenüber dem Insolvenzverwalter eine Aussage leichtfertig gemacht, kann dies möglicherweise zu einem Verlust einer sinnvollen Verteidigungsstrategie führen.

Tatbestand der Anfechtung noch offen

Auch in Anbetracht der strafrechtlichen Ermittlungen und der bisherigen Aussage der Insolvenzverwaltung sollte nicht vorschnell davon ausgegangen werden, dass der Tatbestand der Anfechtung tatsächlich gegeben ist.

Hinzu kommt, dass bei einer vernünftigen juristischen Argumentation auch die Insolvenzverwalter Vergleichen nicht abgeneigt sind. Bevor der vom Insolvenzverwalter geforderte Betrag zurückgezahlt wird, sollte eine sinnvolle Verteidigung gegen den geltend gemachten Anspruch geprüft werden. Zum Teil übernehmen auch die Rechtsschutzversicherungen derartige Verteidigungen. Keinesfalls sollten die Briefe des Insolvenzverwalters ignoriert werden, da andernfalls die Klage droht und damit weitaus höhere Kosten entstehen könnten, als im Falle der vorgerichtlichen Verteidigung und Einigung.

 

Update 26. April 2019

Das Emissionshaus bot Privatinvestoren die Möglichkeit, sich als stille Gesellschafter an der Ersten Oderfelder Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG (EOB) zu beteiligen. Die Laufzeit der stillen Gesellschaft sollte jeweils drei Jahre betragen, wobei es der EOB möglich war ein Sonderkündigungsrecht auszuüben. Das durch die stille Gesellschaft eingeworbene Kapital der Privatinvestoren sollte sodann auf ein Mittelverrechnungskonto gezahlt werden. Nach Ablauf von drei Jahren endete automatisch die stille Beteiligung an der EOB. Am Ende der Laufzeit sollte die stille Einlage in vollständiger Höhe zurückgezahlt werden. Zudem sollten jährliche Renditen in Höhe von rund 8,75 Prozent gezahlt werden.

Pfandhaus Lombardium erhielt Anlegergelder

Die seitens der Beteiligungsgesellschaft zur Verfügung gestellten Gelder sollten über den Mittelverwender der Lombardium Hamburg GmbH & Co. KG zur Verfügung gestellt werden. Das Hamburger Pfandhaus sollte sodann sogenannte Lombard-Darlehen mit Kunden des Hauses schließen. Dem Mittelverwender kommt eine besondere Rolle zu, da dieser die vertragsgemäße Verwendung der seitens der EOB zur Verfügung gestellten Gelder kontrolliert.
Die Sicherung der Zins- und Tilgungsansprüche sollte durch eine Globalzession seitens des Pfandhauses an die Ersten Oderfelder Beteiligungsgesellschaft abgesichert werden.
Zwischen der Beteiligungsgesellschaft und der Lombardium Hamburg wurde ein Rahmenkreditvertrag geschlossen.

BaFin untersagt Kreditgeschäft

Mit Bescheid vom 4. Dezember 2015 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) der Lombardium Hamburg aufgegeben, das von ihr (ohne Erlaubnis) betriebene Kreditgeschäft einzustellen und bereits abgeschlossene Darlehen unverzüglich rückabzuwickeln. Dies musste zwangsläufig zu einem Kollaps der Ersten Oderfelder Beteiligungsgesellschaft führen.
Prospektverantwortlicher und Anbieter der Vermögensanlage war die Fidentum GmbH in Hamburg.
Für Anleger bestanden Beteiligungsmöglichkeiten über Schroeder Lombard, Lombard Plus, Lombard Classic, Lombard Classic 2 sowie Lombard Classic 3.

Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft ist insolvent

Am 23. August 2016 musste die Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft einen Insolvenzantrag stellen, wobei der Geschäftsbetrieb der Gesellschaft schon lange vor dem Insolvenzantrag eingestellt worden war – so der Insolvenzverwalter Scheffler. Seither befürchten die Anleger einen Totalausfall ihrer Geldanlage. Zu Beginn dieses Jahres erhielten sie einen Zeugenfragebogen des Landeskriminalamtes Hamburg. Gegen mehrere Verantwortliche wird strafrechtlich ermittelt.

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