Kapitalanlagen-Krise

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Update 20. März 2019

P&R: Ein Jahr nach der Insolvenzantragstellung – Welche Aussichten haben Anleger wirklich?

Es ist möglicherweise der größte Anlagebetrugsskandal in Deutschland: Vor einem Jahr meldete der Schiffscontainervermieter P&R Insolvenz an. Danach erhärtete sich der Verdacht: Nur ein Drittel der 1,6 Millionen vermieteten Frachtboxen sollen existieren. Weiterhin soll das Unternehmen ein Schneeballsystem betrieben haben. Die rund 55.000 Anleger dürften deshalb von den investierten rund 3,5 Mrd. Euro kaum mehr etwas wiedersehen. Einziger Hoffnungsschimmer für die Anleger dürften eine Klage gegen den Wirtschafsprüfer oder die beratende Bank sein.

Die Pleite der P&R-Gesellschaften traf die meisten Anleger unverhofft. Rund die Hälfte soll über 60 Jahre alt sein. Viele sind Rentner und Pensionäre, die ihren Lebensabend mit dem Direktinvestment finanzieren wollten. Moderate drei Prozent nach Steuern versprach P&R als Rendite. Doch schon kurz nach dem Insolvenzantrag machte Insolvenzverwalter Michael Jaffé klar, dass die Anleger wohl um ihr Erspartes bangen müssen. Den überwiegenden Teil der Container gibt es de facto nicht und zudem sind die Anleger – so die Insolvenzverwalter – gar nicht Eigentümer der Container geworden. Doch gerade das Eigentum war für sie der Ausschlag für die Investitionsentscheidung in dieses Kapitalanlagemodell. Für viele ein tragischer Trugschluss, wie sich nunmehr herausstellte.

Welche Quote können Anleger erwarten?

Dass sich die Insolvenzverfahren noch über Jahre hinziehen werden, daran lassen auch die Insolvenzverwalter keine Zweifel. Ob die in Aussicht gestellten Teilzahlungen auf eine bislang nicht festgestellte Forderung in Form von Abschlagszahlungen erfolgen werden, wird sich zeigen. Letztere dürften wohl nur im niedrigen einschlägigen Prozentbereich liegen. Insgesamt dürfte auch die effektive Quote wohl nur einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz erreichen.

Welche Möglichkeiten haben die Anleger noch?

Anleger sollten sich jedoch fragen, wie ein solches Modell, welches laut Insolvenzverwalter seit 2010 insolvenzreif war, noch weitere acht Jahre existieren konnte?

Sämtliche Gesellschaften ließen Jahresabschlüsse erstellen und von Wirtschaftsprüfern testieren. Wie kann es sein, dass ein sich aufbauender Fehlbestand von Containern in Höhe von rund zwei Dritteln nicht erkannt wurde? Hier stellt sich in der Tat die Frage, ob Wirtschaftsprüfer dies hätten erkennen müssen und für die den Anlegern daraus entstehenden Schäden haften.

Die Haftung der Wirtschaftsprüfer ist zwar kein „Selbstläufer“, aber eine Durchsetzung von Ansprüchen ist möglich und auch zielführend. Nachdem der Insolvenzverwalter einen Insolvenzantrag über das Vermögen von P&R-Gründer Heinz Roth beantragte und das Insolvenzgericht zwischenzeitlich das Insolvenzverfahren über ebenjenes eröffnet hat, können Anleger ihre Ansprüche gegen Herrn Roth allenfalls im Insolvenzverfahren anmelden. Die Inanspruchnahme von nicht insolventen Personen, wie dem Wirtschaftsprüfer, ist alternativlos, wenn Anleger ihre Investitionen nicht abschreiben wollen.

Fakt ist, dass im Insolvenzverfahren allenfalls eine Quote gezahlt wird, zu welcher sich die Insolvenzverwalter bislang nicht geäußert haben. Diese dürfte, gerade vor dem Hintergrund, dass rund zwei Drittel der Container fehlen, wenn überhaupt, im niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegen.

Klagen gegen beratende Bank möglich?

P&R-Container galten bei Banken und Sparkassen als begehrtes Produkt. Sie berieten die Kunden gegen eine Provision von bis zu 10 Prozent des Kaufpreises bei den Anlageobjekten. Dafür sollten die Anlageberater ausführlich über Chancen und Risiken aufklären. Überhöhte Kaufpreise, das Containerüberangebot auf dem Weltmarkt, ein möglicher Totalverlust und der Umstand, dass P&R die Container nicht zurückkaufen muss – diese Themen mussten Teil des Kundengespräches sein. Die Bank hat zunächst zu prüfen, ob die Zahlen für Kapitalanlage wirtschaftlich plausibel sind. Die Warnzeichen über P&R wurden überhört. Die Bankberater könnten zudem ihren Aufklärungspflichten nicht ausreichend nachgekommen sein. Das sind gute Ansatzpunkte für Schadensersatzansprüche.

Insolvenzverwalter will Forderungen bestreiten

In den Berichtsterminen, die im Oktober 2018 stattfanden, bestätigten die Insolvenzverwalter, dass der P&R-Containerbestand geringer ist, als die abgeschlossenen Verträge. Dies bedeutet für die Anleger: Schon rechnerisch können nicht alle Anleger Eigentümer solcher Container geworden sein. Erschwerend kommt hinzu, dass nach Aussagen der Insolvenzverwalter keinem Anleger das Eigentum zugeordnet werden kann.

Eine sichere Investition sieht anders aus! Die überwiegende Zahl der Anleger hofft auf eine Quote im Insolvenzverfahren. Eine Feststellung der Forderung erfolgte durch die Insolvenzverwalter bislang nicht und wird auch nicht im Rahmen der sog. Prüftermine, die auf Ende Mai 2019 verlegt wurden, erfolgen. In den Berichtsterminen im Oktober 2018 in der Münchner Olympiahalle wurde den Investoren schon angekündigt, dass die Forderungen von den Verwaltern bestritten werden. Dies bedeutet für die Anleger: Solange eine Forderung nicht festgestellt ist, erhalten die Gläubiger – hier die Anleger – keine Quote im Insolvenzverfahren. Nach dem Bestreiten der Forderung werden die Anleger ihre Forderungen ggf. in einem Prozess zur Tabelle feststellen lassen müssen.

Neben dem Insolvenzverwalter, dessen Aufgabe die bestmögliche Gläubigerbefriedigung ist, ermittelt auch die Staatsanwaltschaft. All dies darf die Anleger aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihnen weiterhin eine Inanspruchnahme durch die Insolvenzverwalter droht. Gegenstand dieser Rückforderungen könnten die in den letzten vier Jahren gezahlten Mieten sein, welche Anleger für die Überlassung der Container (deren Eigentümer sie nicht wurden) erhielten. In den Berichtsterminen im Oktober 2018 wichen die Insolvenzverwalter auf die Fragen, ob sie diese in den vergangenen Jahren gezahlten Mieten zurückfordern werden, aus. Ob dies taktisches Kalkül war, um Eklats in den Gläubigerversammlungen zu vermeiden, wird sich zeigen. Auch in anderen Kriminalinsolvenzverfahren forderten Anleger vergleichbare Zahlungen zurück und stützten sich auf das Betreiben eines Schneeballsystems – ein solches nehmen die Insolvenzverwalter auch hier an.

 

Update 19. Oktober 2018

P&R Gläubigerversammlung: Anleger können nur auf Rückzahlung hoffen – Anfechtung weiter offen

Mehr als 2.500 Gläubiger besuchten die erste von insgesamt vier Gläubigerversammlungen (Berichtstermin) für die insolventen deutschen P&R Gesellschaften. Dazu kamen in die Münchner Olympiahalle weitere 7.723 Anwälte, darunter auch Sascha Borowski von Buchalik Brömmekamp. Viel Neues konnte Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé den geschädigten Anlegern nicht mitteilen, und bei der Höhe der Verluste blieb er sehr vage. Dennoch soll 2020 eine erste Abschlagszahlung an die Investoren erfolgen.

Brisant bleibt für die Anleger die Frage, ob der Insolvenzverwalter die gezahlten Mieten und Rückkaufszahlungen für Container im Rahmen der Anfechtung zurückfordert. Auf der Gläubigerversammlung wollte sich Jaffé trotz intensiver Nachfragen zur Anfechtung nicht zu den Rückforderungen äußern. Wie in anderen Fällen bereiten die Verwalter die Ansprüche lieber von langer Hand vor. Jaffé kann sich dafür bis zur Verjährung im Jahr 2021 Zeit lassen.

Informationen zur Gläubigerversammlung

 

Update 25. September 2018

Anleger entscheiden über das Schicksal der P&R und ihr Vermögen – Nach der Forderungsanmeldung ist vor der Gläubigerversammlung – was Anleger nun beachten müssen!

Die Münchner Staatsanwaltschaft und einige Anlegeranwälte fahnden derzeit intensiv nach dem privaten Vermögen von P&R-Gründer Heinz Roth. Laut der Münchner Behörde, hat sie zwar vermögenssichernde Maßnahmen eingeleitet, beschlagnahmt wurde jedoch noch nichts. Der Insolvenzverwalter geht derzeit von einem Vermögen von nur zehn bis 13 Millionen Euro aus. Es bleibt abzuwarten, ob die Suche erfolgreich sein wird und ob angesichts des Milliarden-Schadens die Anleger überhaupt etwas von diesem Geld sehen werden. Erste Einblicke werden die Gläubigerversammlungen Mitte Oktober geben. Dann können die Anleger auch über das Schicksal der P&R entscheiden. Trotz der gerichtlichen Frist bis Mitte September können auch weiterhin Forderungsanmeldungen abgegeben werden.

Was Anleger nun beachten müssen

 

Update 16. August 2018

Die vorausgefüllte Forderungsanmeldung und Gläubigerversammlung

Lange haben die Anleger der insolventen P&R-Gesellschaften auf die angekündigten und vorausgefüllten Forderungsanmeldungen  gewartet. Nun sind sie da. Den Investoren erweisen die Verwalter damit jedoch keinen Gefallen. Die Befürchtung, dass die überlassenen Anmeldungen nicht ausreichend individualisiert, substantiiert und damit nicht aus sich selbst heraus nachvollziehbar sind, hat sich bestätigt. Es sind viele Fragen offen geblieben:

  1. Warum sind die vorausgefüllten Forderungsanmeldungen fehlerhaft?
  2. Welche Risiken gehen Anleger ein, wenn sie die Forderungsanmeldungen der Verwalter verwenden?
  3. Welche Besonderheiten ergeben sich aus dem Schreiben und der vorausgefüllten Forderungsanmeldung für die Anleger (Verzicht auf Rechte)?
  4. Kostenlose Vertretung auf den Gläubigerversammlungen im Oktober 2018 durch die Buchalik Brömmekamp Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Die Antworten finden Sie auf P&R Forderungsanmeldung und Gläubigerversammlung

 

Update 30. Juli 2018

Schneeballsystem, Insolvenzanfechtung und vorausgefüllte Forderungsanmeldung

Die Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé und Dr. Philipp Heinke erklärten inzwischen, wie das Verfahren aus ihrer Sicht weiter verlaufen sollte. Auf die geprellten 54.000 Anleger, die auf einen großen Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben werden, können sogar noch Rückforderungen von zu Recht gezahlten Mieteinnahmen zukommen. Fachanwalt Sascha Borowski zum Schneeballsystem, zur Insolvenzanfechtung und zur vorausgefüllten Forderungsanmeldung. Wohin geht die Reise in der Containerpleite P&R?

 

Update 29. Juli 2018

Wie finde ich (m)einen Container?

Rund 3,5 Milliarden Euro haben die P&R-Verantwortlichen von rund 54.000 Anlegern eingesammelt. Dafür sollten 1,6 Mio. Container angeschafft werden. Vorhanden sind aber nur 618.000 Boxen. Immerhin sind diese Boxen derzeit fast vollständig vermietet. Mit einem internetbasierten Trackingverfahren kann der augenblickliche Aufenthaltsort eines jeden Containers bestimmt werden. Dazu wird die weltweit einmalige Containernummer benötigt. Sie steht auf jeder Box und auf dem Eigentumszertifikat.

Noch bevor ein Container den Hersteller verlässt und auf Reisen geht, wird er mit einer eindeutigen Identifikationsnummer versehen. So lässt sich jeder Container identifizieren, zuordnen und verfolgen, egal wohin seine Reise geht. Dieser elfstellige Code aus Ziffern und Buchstaben ist gut sichtbar auf den Stirnseiten und dem Dach angebracht. Er besteht aus einer dreistelligen Buchstabenfolge, der den Eigentümerschlüssel darstellt und jedem Eigentümer fest zugeordnet ist. Das wird durch das internationale Büro für Container (BIC) in Paris sichergestellt. Hier muss jedes Unternehmen, das Frachtcontainer besitzt, seinen Eigentümercode registrieren lassen. Es können aber auch mehrere Eigentümercodes beantragt werden. P&R-Container werden u.a. mit den Eigentümerschlüsseln GLD (Gold Container), SLS (Spinnacker), BSI (Blue Sky), TGC (Vinashin TGC) etc. gekennzeichnet. Dem Schlüssel folgt die Produktgruppe mit dem Buchstaben U, J, Z oder R. Die P&R-Boxen erhielten den Buchstaben U für Container. Ergänzt wird der Code durch eine sechsstellige Seriennummer sowie einer aus allen 10 Zeichen und Stellen errechneten Prüfziffer.

Mit dieser eindeutigen Kennzeichnung lässt sich nun ermitteln, ob der Container derzeit in einem Hafen steht oder auf Reisen ist. Die Internetseite searates.com bietet ein Tracking für die geschätzten 25 Millionen Container, die derzeit auf den Weltmeeren im Einsatz sind.

 

Update 24. Juli 2018

Insolvenzverfahren eröffnet

Das Amtsgericht München hat am 24. Juli 2018 für die vier P&R-Töchter in Deutschland das Verfahren eröffnet. Die rund 54.000 Anleger können nun ihre Forderungen bei den Insolvenzverwaltern Dr. Michael Jaffé sowie Dr. Philip Heinke anmelden. Die Frist zur Anmeldung der Insolvenzforderung läuft bis zum 14. September 2018. Die Gläubigerversammlungen sollen am 17. Und 18. Oktober in der Münchner Olympiahalle stattfinden. Wie Anleger jetzt ihre Insolvenzforderung anmelden können, erfahren Sie auf der Seite https://www.kapitalanlagen-krise.de/aktuelle-verfahren/pr/forderungsanmeldung.

Ihre Ansprüche und Rechte

Schon jetzt sollten Sie Ihre Rechte und Ansprüche im vorläufigen Insolvenzverfahren wahrnehmen, um etwaige Verluste so gering wie möglich zu halten. Dass dies erforderlich ist, zeigt die Pressemitteilung eines der vorläufig bestellten Insolvenzverwalter. Laut dieser Mitteilung erhalten über 90 Prozent der Investoren im Rahmen ihrer Zeichnung kein „Zertifikat“. Eine Zuordnung der Containernummern ist damit nicht möglich. Damit ist völlig offen, wie Sie als Gläubiger die Aussonderung Ihres Containers fordern können. Da Ihre Container weiterhin vertragsgemäß vermietet werden, stellen sich weitere insolvenzrechtliche Fragen, wie z.B. der Umgang mit den Mieten, die durch Ihre Container erwirtschaftet werden. Wie Sie sehen, stellt die Forderungsanmeldung nicht die einzige Herausforderung dar. Zudem sind auch Ansprüche gegen nicht insolvente Schuldner zu prüfen. Insoweit ist zu beachten, dass Ansprüche gegen nicht insolvente Gegner (wie bspw. Geschäftsführer, Wirtschaftsprüfer etc.) auch dann verjähren, wenn Ihre Forderungen im Insolvenzverfahren angemeldet werden; die Insolvenz hemmt Ansprüche außerhalb des Insolvenzverfahrens nicht.

Was muss ich tun?

Bündeln Sie zusammen mit anderen Anlegern der P&R-Gesellschaften Ihre Ansprüche und profitieren Sie von unserem Expertenwissen im Insolvenzrecht sowie Bank- und Kapitalmarktrecht auch über die Insolvenz hinaus.

Wer wir sind?

Buchalik Brömmekamp verfügt sowohl über eine ausgewiesene, jahrzehntelange Expertise im Insolvenzrecht als auch im Bank- und Kapitalmarktrecht. Daher ist uns eine optimale Durchsetzung Ihrer Ansprüche in jeder Phase des Verfahrens möglich. Zudem unterstützt uns unsere Schwestergesellschaft, die Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung GmbH, in betriebswirtschaftlichen Fragen. Viele andere Kanzleien haben sich entweder nur auf das Bank- und Kapitalmarkrecht oder das Insolvenzrecht spezialisiert. Unsere Mandanten profitieren also von den umfassenden Kenntnissen unserer Insolvenz-, Finanz- und Kapitalmarktspezialisten. Uns ist es damit möglich, auch mit den Insolvenzverwaltern auf Augenhöhe zu sprechen.

Welche Unternehmen sind betroffen?

Das vorläufige Insolvenzverfahren wurde über die Vermögen der nachstehenden „Emittenten“ eröffnet:

  • P&R Transport-Container GmbH
  • P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH
  • P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH

Zuletzt wurden die von P&R angebotenen Direktinvestments über die P&R Transport-Container GmbH emittiert, für welche die seit 2017 bestehenden neuen Regulierungsstandards gelten.

Des Weiteren wurde das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen der

  • P&R Container Leasing GmbH
  • P&R AG

eröffnet.

Ihr Kontakt zu uns:

Gerne beraten wir Sie bei der Durchsetzung Ihrer Anlegerrechte im Fall der P&R-Insolvenz. Bitte senden Sie uns dazu den ausgefüllten unverbindlichen Kontaktbogen an die E-Mail kapitalanlagenbuchalik-broemmekamp.de oder per Fax: 0211 / 828 977 211 zu.

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